Adventskalender


Jeder Tag zählt

Advent ist süßes Warten, Vorfreude, Vorbereitung auf Weihnachten. Alles harrt in Ungeduld, selbst die Zeit. Wir warten auf die Geburt Jesu, auf das Christkind, Santa und auf all das, was das Christfest uns bald bescheren wird. Der Advent lässt uns pilgern und wandern, der liebe Adventskalender ist die Wegskizze, die uns führt, uns einstimmt,  unser Gedulden verkürzt und versüßt. Wer erinnert sich nicht an die Adventskalender seiner Kindheit? Oft farbenfroh, mit Engeln und vielen weihnachtlichen Motiven bedruckt. Hinter jeder Adventskalendertür versteckte sich eine kleine Überraschung, ein Bild oder ein Förmchen Schokolade. Und das Tag für Tag, den ganzen Dezember hindurch, 24 mal, bis Heiligabend! Und mit dem 24sten Türchen war das Warten dann endlich zu Ende.

Die ersten Vorläufer der heutigen Adventskalender entwickelten sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. Anfangs waren es kleine Bräuche, Rituale, die die Tage bis Weihnachten zählten: Kreidestrich am Türrahmen, Strohhalme die täglich in kleine Miniatur-Krippen gelegt wurden, das tägliche Aufhängen von Heiligenbildchen an einem Adventsstrauch, das Abbrennen einer Kerze bis zu einer Markierung und vieles mehr.

Gedruckte Adventskalender eroberten ab Anfang des 20. Jahrhunderts die Weihnachtszeit und waren schon bald nicht mehr aus ihr wegzudenken. Der erste Adventskalender erschien 1902, die Adventsuhr für Kinder. Er war einer Uhr treu nachempfunden und zählte deshalb nur vom 13. bis zum 24. Dezember (1 bis 12 Uhr) durch das Verrücken eines Zeigers. Viele der schönsten und aufwendigsten Adventskalender wurden von 1908 bis 1940 im Verlag Reichhold und Lang hergestellt, z.B. der wundervoll von Richard Ernst Kepler illustrierte Weihnachts-Kalender „Im Land des Christkinds“. Adventskalenderuhren, Adventskalenderhäuser, Aufklebekalender, Kalender-Alben, Kalender mit Türchen, mit Schieberegistern oder zu verdrehenden Papierscheiben erfüllten bald die Vorweihnachtszeit der Kinderzimmer. Der Phantasie blieben keine Grenzen gesetzt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts warteten hinter so manchen Kalenderfenstern kleine Gaben: oftmals Schokolade, aber nicht nur, es war und ist alles möglich!


Die Zeitspanne, die Adventskalender zählen, reicht heute meist vom 1. -  24. Dezember. Das war und ist natürlich kein Muss: sie können auch bis zum 2. Weihnachtsfeiertag oder Dreikönigstag (6. Januar) reichen. Kalender, die mit dem Zählen am 6. Dezember (Nikolaustag) beginnen, nennen sich Nikolauskalender. Diese Kalender wurden gerne zu Nikolaus verschenkt.

 

   

* Adventskalender des Verlag Reichhold und Lang (Anfang des 20. Jahrhunderts)


Literatur:
Esther Gajek: Adventskalender. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 1996,  ISBN 3-7991-6422-7
Markus Mergenthaler: Advents Kalender im Wandel der Zeit. Herausgegeben im Auftrag des Knauf-Museums Iphofen. Dettelbach 2007, ISBN 978-3-89754-279-2
Katharina Metz: Fröhliche Weihnachten überall. 200 Adventskalender aus 100 Jahren. Sammlung Katharina Metz.. Chemnitz 2004.

 


Text und Foto © Uwe Pfeiffer (2017 - 2019)