Gedichte zu Weihnachten

 
  

 

Weihnachten

Weißer Flöckchen Schwebefall,
Stille Klarheit überall,
Glockenklang und Schellenklingen,
Mäulchen, die vom Christkind singen,
Flammen, die von grünen Zweigen
Gläubig, strahlend aufwärts steigen,
Und im tiefsten Herzen drinnen
Ein Erinnern, ein Besinnen ...

Neige dich, mein Herz, und bete,
Daß das Christkind zu dir trete,
Auch in deiner Schwachheit Gründen
Eine Flamme zu entzünden,
Die das Ringen deiner Tage
Gläubig strahlend aufwärts trage.

Anna Ritter


Heilige Nacht

Still sinkt die Nacht, die heilige, zur Welt.
Im Winterlande jubelt selig Singen,
und kleine, zarte Kinderstimmen schwingen,
auf jedem Stern ein Engel Wache hält.

Aus Silberbäumen Perlenregen fällt,
das stumme Feld lauscht feierlichem Klingen,
die Weihnachtsglocken fromme Kunde bringen,
die Erde ist ein weites Friedenszelt.

Wir gehen kerzentragend in den Stall;
auf gelbem Stroh ruht hart das Kindelein,
das süße Jesuskind und lächelt lieb ...

Da flammen auf die kalten Herzen all
und in den Augen liegt ein nasser Schein,
der fleht das Kindlein an: die Liebe ... gib ...!

Celida Sesselmann


Christnacht

Vom schwarzen, schneeschwangeren Himmel
taumeln langsam
silberweiße Flocken
dicht, lautlos, leicht,
wie Daunen weich und zart,
und legen sich leise
wie eine weiße, warme Decke
über das schlummernde Land.
Rings umher
aus dunklen Weiten
goldhelles Lichterfunkeln
von Weihnachtskerzen
wie tausend aufblickende
dankbar glänzende Kinderaugen ...
Leise duften die modernden Blätter ...
Fernes Läuten von Glocken!
Sanft und süß,
wie vom weißen Schneefittich der Lüfte,
von tausend weichen,
kleinen, flatternden Engelsflügeln
herübergetragen.
Vom Winde verwehte
in die Seele summende,
uralte Weihnachtsakkorde ...
Töne und Silberflocken,
Tannendüfte und Lichtergold, -
und die Gedanken der Menschen:
Ein Traum,
ein wunderbar zartes,
seelenreines Christnachsträumen! ...

Hans Benzmann


Weihnachten

O Tag so schön, o Tag so mild,
So wonnevoll, so wunderbar,
So frei und luftig wie der Aar,
Und wie der Quell, der dem Gefild
Von Blümlein zart umrankt, entquillt,
So sonnenhell, so frisch und klar!

Mein Herz jauchzt auf, wenn es dich schaut,
Und schwingt sich gleich der Lerch' empor.
Mir ist's, als hört' ich Hafenchor,
Der mir in ahnungsvollem Laut
Manch süss Geheimniss anvertraut,
Und voll Entzücken lauscht mein Ohr!

Friedrich Nietzsche


Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh' ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in's freie Feld,
Hehres Glänzen, heil'ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schneees Einsamkeit
Steigt 's wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph Freiherr von Eichendorff