Lichterengel und Bergmänner

Oft kamen sie zu zweit. Über Lichterengel und Lichterbergmänner.

Engel und Bergmann
Lichterengel und Lichterbergmann um 1900

Lichterengel und Lichterbergmänner sind Licht-tragende Weihnachtsboten. Oft wurden sie als Paarfiguren hergestellt. Ihre Wurzeln finden sich im Schnitz- und Drechslerhandwerk der erzgebirgischen Volkskunst. Neben Nussknacker und Räuchermännchen gehört ihnen ein besonderer Ehrenplatz in der erzgebirgischen Weihnachtswelt.

Bunt bemalt begannen die Englein und Männchen ab Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Lichter in die Adventszeit zu tragen. Die Körper bzw. Docken waren in der Regel aus Holz gedrechselt, Arme, Füße, Kronen, Kragen und Haar dagegen konnten aus Teigmasse sein. Sie trugen 1 oder 2 Kerzentüllen in ihren Händen und/oder ein Lichterjoch mit 5 oder 6

weiteren über ihren Köpfen. Manchen Figuren (Glockenbergmann und -engel) war sogar ein kleines Klangspiel, ähnlich einem Miniatur-Engelsgeläut, in einer der Tüllen beigefügt. Die Lichterengel waren oft ohne Füße gestaltet. Die Engelsflügel konnten aus Holz oder Pappe sein. Das Engelskleid zeigte sich gerne weiß und reichte bis zum Boden. Auf seiner Brust war meist ein Kreuz aufgemalt und über dem Kleid trug der Engel nicht selten eine aufgemalte Schürze.

Die Schürze der Lichterengel symbolisierte den Hausfrauenstand, deutete auf das Engelhafte der sorgenden Hausfrau und Mutter hin und bildete den Kontrast zum Bergmann, der die Männerwelt widerspiegelt. Yin und Yang bildeten in einem christlichen Kontext in diesem Figurenpaar eine Einheit.

Literatur:
Johannes Martin: Sammlung Johannes Martin. Mit persönlichen Anmerkungen des Sammlers, Restaurators und Schenkers. Volkskunst und Spielzeug aus dem Erzgebirge auf Burg Scharfenstein. Seite 25 - 27 und 82 - 88. Scharfenstein 2004.

Text und Foto © Uwe Pfeiffer (2017 - 2019)