Schwebe- und Wachsengel

Im Kerzenschein zerschmilzt so manches Engelsherz. Von den Wachsengeln im Baum.

Schwebeengel
Schwebeengel aus Wachs

Kleine wächserne Engel umschwirrten bereits Anfang des 19. Jahrhunderts die großen Rauschgoldengel in den Verkaufsbuden des Nürnberger Christkindelmarktes. Mit dem Aufkommen des Weihnachtsbaumes eroberten die Engelchen das Nadelgrün der deutschen Tannenzweige. Sie schwebten anmutig zwischen Christbaumkerzen, Äpfeln, Silbernüssen und Biedermeierkugeln und schenkten Kinderaugen Verzauberung und Staunen. Bis in die 30er Jahre des 20sten Jahrhunderts gehörten Wachsengel zum beliebten und typischen Christbaumschmuck.

Wachs war leicht zu bearbeiten und zu modellieren, es schenkte den Engeln einen natürlichen und lebendigen Ausdruck. Der natürliche Feind des Wachsengels war immer das Flämmchen der Christbaumkerze. So manches Glied tropfte den Engelchen im schönsten Kerzenschein von ihren kleinen Leibern. Um den Nachteilen des Wachsmaterials (Brüchigkeit und Schmelzgefahr) halbwegs zu entfliehen, ging man in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dazu über, Papiermaché- oder Massekörper mit Wachs oder Paraffin zu überziehen.

Schwebeengel

Die Wachskörper der Engel wurden oft mit anderen Materialien ergänzt und ausgekleidet. Ihre Flügel konnten aus Glasseide, goldkaschierter Pappe oder Dünnmetall bestehen. Sie trugen Seidenröckchen, Schürzchen oder kleine Scherben aus gefärbtem Stoff, hatten Stirnbänder, Kronen oder Perücken auf den kleinen Köpfen und hielten nicht selten ein Trompetchen in den wächsernen Händen.

Literatur:
Margrit Utz: Von Fadenglas, Rauschgold und Tragant. Eine kurze Geschichte des Weihnachtsschmucks, erläutert und illustriert anhand Beispielen aus der Sammlung Margrit Utz. Seite 61 – 62. 2004.
Eva Stille und Ursula Pfistermeister: Christbaumschmuck. Ein Buch für Sammler und Liebhaber alter Dinge. Seite 72 - 77. Nürnberg 1979, ISBN 3-418-00456-3

Text und Foto © Uwe Pfeiffer (2017 - 2019)