Christbaumschmuck aus Watte

Gut wattiert und weich in Weihnachtsfreude eingepackt. Zauberhafter Christbaumschmuck aus Watte.

Weihnachtsengel aus Watte
Sternsinger aus Watte als Christbaumschmuck

Die phantasieschöpfende Ähnlichkeit von Watte und Schnee schaufelte bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Weg zum Weihnachtsbaum frei. Watte schmückte (zerzupft) als dekorative Schneenachahmung oder als Engelshaar das Tannengrün der weihnachtlichen Bäume. Der Winterwald erfand sich in den gut gewärmten Stuben neu.

Ende des 19. Jahrhundert wurde Watte auch für die Herstellung von figürlichem Christbaumschmuck genutzt. Die Verarbeitung der Watte war vielfältig: es wurde versteift, gewickelt, gepresst, verklebt, Kleisterschichten aufgetragen, um bemalbare Oberflächen zu schaffen. Figuren wurden bemalt, dekoriert, mit Glimmer überzogen, mit anderen Materialien kombiniert, in diese eingekleidet oder mit ihnen ergänzt. Oblatengesichter, Ornamente und Sternchen aus Dresdner Pappe, Krepppapier und vieles mehr wurde verarbeitet. Dies alles geschah in liebevoller Hausarbeit. Diese Heimindustrien entwickelten sich vor allem in Thüringen und Sachsen.

Die Formenvielfalt war nur durch die Phantasie der Hersteller begrenzt: Nikoläuse, Weihnachtsmänner, Christkinder, Engel, Zirkus- und Märchenfiguren, Tiere jeder Art, Obst und Gemüse, Eiszapfen, Pilze und Champagnerflaschen, Figuren auf Schlitten und auf Skiern – alles war denk- und machbar. Diese Art des Christbaumschmucks war durch ihre oft verspielte und puppenhafte Gestaltung gerade bei Kindern sehr beliebt.

Weihnachtsmann aus Watte
Watte-Weihnachtsmann mit Oblade.
Christbaumschmuck aus Watte
Trapezkünstlerin aus Watte
Wattetüte
Zuckertüte aus Watte

*  Baum mit Watteschnee und Watteeiszapfen (Postkarten-Illustration von Arthur Thiele) und Watteschmuck (ca. 1890 - 1910)

Literatur:
Margrit Utz: Von Fadenglas, Rauschgold und Tragant. Eine kurze Geschichte des Weihnachtsschmucks, erläutert und illustriert anhand Beispielen aus der Sammlung Margrit Utz. Seite 45 – 48. 2004.
Eva Stille und Ursula Pfistermeister: Christbaumschmuck. Ein Buch für Sammler und Liebhaber alter Dinge. Seite 134-138. Nürnberg 1979, ISBN 3-418-00456-3

Text und Foto © Uwe Pfeiffer (2017-2019)