Luise Büchners Weihnachtsmärchen

 "Liebe Tante", sagte eines Abends gerade acht Tage vor Weihnachten die kleine Mathilde, "Du erzählst mir immer von dem Christkindchen, aber gar nichts von seiner Mama. Sage mir doch, wer die gewesen ist und wo sie gewohnt hat." "Nun, wenn Du hübsch ruhig sitzen und zuhören willst und der Georg auch, dann will ich Euch Alles erzählen, was ich von dem Christkindchen, von seiner Mama, dem Knecht Nikolaus und dem Eselchen weiß." - Es war sehr still und behaglich in Tantens Zimmer; das Feuer knisterte im Ofen und draußen auf der Straße der Schnee, wenn Jemand vorüber ging. Die Lampe brannte noch nicht, aber es war doch nicht ganz dunkel, denn die Gasflamme vor dem Fenster warf ihren Schein herein und malte bald tiefe Schatten, bald bunte Lichter auf die Wände und streifte mit glänzendem Schimmer die grünen Pflanzen und Sträucher des Blumentisches. Eine bessere Stunde zum Geschichtenerzählen als diese gibt es nicht. So rückten denn Mathildchen und Georg ihre kleinen Stühle ganz dicht an die Tante und sie begann ihre Mährlein, und erzählte jeden Abend, bis endlich das liebe Christkind selber kam, um alle Märchen und Träume der Phantasie zu verwirklichen und überflüssig zu machen.

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