Weihnachtsgedichte für Kinder

 
 
 

Rauhreif vor Weihnachten

Das Christkind ist durch den Wald gegangen,
sein Schleier blieb an den Zweigen hangen,
da fror er fest in der Winterluft
und glänzt heut morgen wie lauter Duft.

Ich gehe still durch des Christkinds Garten,
im Herzen regt sich ein süß Erwarten:
Ist schon die Erde so reich bedacht,
was hat es mir da erst mitgebracht!

Anna Ritter

 

Durch ein Mädel von sieben Jahren
Hab' ich es eben bestimmt erfahren,
Dass es gestern das Christkind gesehn,
Hell in goldenem Flügelwehn. -

Hoch über dem Wald dem Staufen zu
Ist es geflogen; von dort im Nu
Natürlich direkt in den Himmel hinein,
Es steigt sich vom Berg aus dort besser ein. -

Was quält ihr euch drum im erleuchteten Saal,
Philosophisch, geschichtlich? Allemal
Weiss Keiner, wenn er den Raum verlässt,
Wie das Mädel seine Sache so fest.

Amalie Senninger

 

Weihnachtspost

Im Himmelreich gibt's viel zu tun
Kurz vor den Weihnachtstagen;
Da dürfen Hand und Fuß nicht ruhn,
Christkindlein muss sich plagen.
Die Englein fliegen
Die Himmelsstiegen
Rauschend herauf und hernieder;
Sie bringen schnelle
Die Wünsche zur Stelle.
Und husch! fort sind sie wieder. -

"Ich hab' dir, liebes Christkind mein,
Hier einen Brief geschrieben;
Drin steht, was Fritz und Peterlein
Als Weihnachtsgaben lieben.
Bringst du ein Pferdchen,
Ein kleines Kochherdchen,
Wie froh doch wär' uns zumute:
Ein Puppenpärchen,
Ein Büchlein mit Märchen -
Doch keine Weihnachtsrute.

Ich lege den Brief ganz leis, ganz sacht
Hier auf das Fensterbretchen;
Und holst du, Christkind, ihn zur Nacht,
Dann lieg ich schon im Bettchen.
Und grüß' mir alle
In himmlischer Halle,
Die Englein, die großen und kleinen,
Lass, was wir begehren,
Uns gnädig bescheren,
Das Fritzchen und Gretel nicht weinen."

So fleht zum guten Christkindlein
Das kleinste Herz hienieden.
Und allen will's gefällig sein,
Uns alle stellt's zufrieden.
Die Art'gen bedenkt es,
Gewünschtes schenkt es,
Und selten nur bringt es die Rute.
Drum wird sich ein Leben,
Ein Jubel erheben,
Und froh ist den Kindern zumute.

Richard Zoozmann

 

Vom Christkind

Denkt euch - ich habe das Christkind gesehn!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit gefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh;
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her -
Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack -
meint ihr, er wäre offen, der Sack?
Zugebunden bis obenhin!
Doch war gewiß was Schönes drin;
es roch so nach Äpfeln und Nüssen!

Anna Ritter

 

Weihnachtszeit

Seit Jahren hat's nicht so geschneit!
Das rieselt, rinnt und häuft sich an,
dass man im Lande weit und breit
nicht Weg noch Steg erkennen kann.
Die Stadt sieht wie ein Märchen aus:
hat jedes Häuschen, jedes Haus
ein Mützchen auf aus weißem Schnee,
das blinkt und blitzt im Sonnenschein,
als wär's von lauter Edelstein.
Und drinnen gibt's verschloss'ne Türen!
Ein Zimmer, das das ganze Jahr
genau wie andre Zimmer war,
bekommt ein feierlich Gesicht:
Oft ist's zur Dämmerung, als glitten
verstohl'ne Schritte hin und her,
man sieht ein heimlich huschend Licht,
als ob das Christkind drinnen wär'!
Verschwieg'ne Päckchen kommen an,
die rascheln gar so wunderlich,
wenn kleine Finger daran rühren ...
Doch Mutter wehrt auf alle Bitten:
"Nicht fragend! `s ist vom Weihnachtsmann!"
Ein unbestimmter Kuchenduft
liegt wunderlich in der Luft!
Die Kinder schnuppern leis herum
und schau'n sich an und lachen stumm
und drücken sich am Schlüsselloch
die Näschen platt ...
O sel'ge Zeit,
wenn Liebe sich im stillen müht
und nicht genug zu tun weiß,
wenn mitten unter Schnee und Eis
die Blume des Erbarmens blüht,
wenn jubelnd sich die Glocken schwingen
und jedem, der es hören will,
die süße Weihnachtsbotschaft bringen:
"Das Christkind kommt, seid froh und still!"

Anna Ritter